Gesichter der Sahara
Zehn Jahre lang reiste die Münchner Autorin und Fotografin Desiree von Trotha immer wieder an zwei Orte der Sahara
Zehn Jahre lang reiste die Münchner Autorin und Fotografin Désirée von Trotha immer wieder an zwei Orte der Sahara – einige Monate im Jahr verbrachte sie entweder mit Tuaregnomaden im algerischen Hoggargebirge oder, tausend Kilometer weiter im Süden, bei einer Familie von Silberschmieden in Agadez (Nordniger). Nach zehn Jahren bündelte sie ihre fotografischen Augenblicke. Man spürt, dass sie sich Zeit ließ, in die Geheimnisse der grandiosen Landschaften aus Stein und Sand einzudringen, das Licht zu beobachten, welches sie modelliert. (Heiße Sonne, kalter Mond. Tuaregnomaden in der Sahara, Verlag Frederking und Thaler, München 2001, 159 S., 68 Mark.) Wie belebte Wesen wirken die Steinformationen, die Berggipfel in Trothas Blick, Himmel und Erde in Zwiesprache fotografiert. Mit den Menschen lebte sie so lang, bis sie ihre Scheu überwunden hatten. Porträts sind entstanden, und einige Genreszenen, von Menschen, die sich des eigenen Blicks, selbst wenn sie nicht in die Kamera schauen, bewusst sind. Auf den Bildseiten kommunizieren Menschen und Landschaften miteinander, verschränkt die Fotografin Aufnahmen aus dem Hoggar mit denen aus dem Air, aus Agadez. Und verwischt ihre eigenen Spuren: Keine Bildlegenden erklären das Wie und Wo der Fotografien – dafür zitiert die Autorin Eindrücke von Leo Africanus, Isabelle Eberhardt und Charles de Foucauld, von Camus und St. Exupéry, von Otl Aicher und Cheikh Anta Diop. Das Schönste sind die Sprichwörter, Gedichte und Legenden der Tuareg selbst – und die jahrtausendealten Felszeichnungen und Gravuren, die Trotha bei Frobenius, Franz Trost, Henri Lhote gefunden hat. Darstellungen von Tieren aller Art und Menschenwesen verschwundener Zeiten spazieren durch die Seiten, sprechen mit den Fotografien: Uns gab es hier schon. Dazu passt die Weisheit eines Anti-Montaigne der Tuareg: „Derjenige, der ununterbrochen rastlos herumrennt, weiß viel weniger, als jener, der ruhig im Lager bleibt, zuhört und denkt."
BETTINA EHRHARDT